Das Wichtigste in Kürze
- Vitamin D bildet der Körper vor allem selbst – mit Sonnenlicht auf der Haut.
- Von Oktober bis März ist die Sonne in unseren Breiten dafür zu schwach.
- Säuglinge bekommen im ersten Lebensjahr eine ärztlich verordnete Vitamin-D-Prophylaxe (in Österreich üblicherweise 400 IE täglich).
- Für ältere gesunde Kinder gibt es keine generelle Supplement-Empfehlung – das klärt ihr ärztlich.
- Hoch dosierte Präparate für Erwachsene können bei Babys gefährlich sein.
Draußen wird es früher dunkel, die Kinder sind öfter drinnen, und irgendwann fragt jemand im Elternchat: „Gebt ihr eigentlich Vitamin D?“ Eine gute Frage – mit einer Antwort, die je nach Alter ganz unterschiedlich ausfällt. Hier bekommst du den Überblick, was gesichert ist, wo die Fachleute vorsichtig sind und warum beim Sonnenvitamin mehr nicht automatisch besser ist.
Das Sonnenvitamin: Wie der Körper Vitamin D bekommt
Vitamin D ist ein Sonderfall. Der Großteil – laut DGE, BfR und Max Rubner-Institut rund 80 bis 90 Prozent – entsteht nicht durch Essen, sondern in der Haut, wenn UVB-Strahlung darauf trifft. Vitamin D hilft dem Körper, Calcium aufzunehmen und in die Knochen einzubauen. Gerade in Wachstumsphasen ist es darum wichtig.
Das Problem in Mitteleuropa: Von etwa Oktober bis März steht die Sonne so flach, dass die Strahlung für eine ausreichende Bildung nicht reicht. Der Körper zehrt in dieser Zeit von den Speichern, die er im Sommer in Fett- und Muskelgewebe angelegt hat.
Babys: Prophylaxe im ersten Lebensjahr
Muttermilch enthält wenig Vitamin D, und Babys sollen nicht direkt in die Sonne. Deshalb bekommen Säuglinge im ersten Lebensjahr eine Vitamin-D-Prophylaxe, in Österreich üblicherweise 400 IE täglich. Die Kinderärztin oder der Kinderarzt verordnet sie und erklärt dir das passende Präparat. Für das zweite Lebensjahr empfiehlt die DGE, die Gabe in den Wintermonaten fortzuführen – ob das für euer Kind gilt, besprichst du am besten bei der nächsten Untersuchung.
Das BfR hat 2026 erneut vor schweren Vitamin-D-Vergiftungen bei Säuglingen gewarnt. Ursache war ein hoch dosiertes Präparat für Erwachsene aus dem Internet, das statt des Babypräparats gegeben wurde. Anzeichen einer Überdosierung sind unter anderem Trinkschwäche, Erbrechen, Schläfrigkeit und Verstopfung. Darum: nur das ärztlich empfohlene Säuglingspräparat verwenden, keine hochkonzentrierten Tropfen, keine Wochen- oder Monatsdosen auf eigene Faust.
Kleinkinder, Schulkinder, Teenager
Ab dem Kleinkindalter wird es weniger eindeutig. Die Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin hat sich 2018 gegen eine generelle Vitamin-D-Gabe bei gesunden Kindern ab zwei Jahren ausgesprochen. Ein niedriger Laborwert allein sei kein Grund, ein gesundes Kind zu supplementieren. Stattdessen empfiehlt sie, dass Kinder im Sommerhalbjahr regelmäßig draußen sind. Auch routinemäßige Bluttests bei gesunden Kindern hält sie nicht für nötig.
Anders kann es aussehen bei Kindern, die kaum ins Freie kommen, bei bestimmten chronischen Erkrankungen oder Medikamenten. Hier entscheidet die Kinderärztin individuell. Bei veganer Ernährung empfiehlt ESPGHAN 2025 eine altersgerechte Vitamin-D-Versorgung – auch das gehört in die ärztliche Begleitung.
Was das Essen beitragen kann
Ehrlich gesagt: nicht viel. Nur wenige Lebensmittel enthalten nennenswert Vitamin D – vor allem fetter Seefisch, Eigelb und manche Speisepilze. Bei pflanzlicher Ernährung bleiben Pilze und mit Vitamin D angereicherte Produkte wie manche Pflanzendrinks oder Margarine. Laut DGE kommen Kinder über übliche Lebensmittel auf etwa 1 bis 2 Mikrogramm am Tag. Das reicht nicht, um eine fehlende Bildung in der Haut auszugleichen. Essen ist also eine Ergänzung, aber kein Ersatz für Sonne.
So nutzt ihr die Sonne klug
- Frühling bis Herbst draußen sein: Kurze, regelmäßige Aufenthalte mit freiem Gesicht, Händen und Armen genügen. Laut DGE/BfR-FAQ reichen im Sommer bei hellen Hauttypen schon wenige Minuten um die Mittagszeit.
- Sonnenbrand vermeiden: Vitamin D ist kein Grund für ungeschütztes Sonnenbaden. Nach der kurzen Zeit gilt wieder: Schatten, Kleidung, Sonnenschutz.
- Auch im Winter raus: Für Vitamin D bringt die Wintersonne wenig, für Bewegung, Laune und Schlaf aber sehr wohl.
- Kein Solarium: Für Kinder tabu.
Häufige Fragen aus dem Elternalltag
„Unser Kind ist im Winter viel draußen – reicht das?“ Bewegung an der frischen Luft ist großartig, für die Vitamin-D-Bildung bringt die flache Wintersonne aber kaum etwas. Die Speicher aus dem Sommer überbrücken diese Zeit normalerweise. Gerade deshalb lohnt es sich, im Frühling und Sommer regelmäßig draußen zu sein.
„Kann ich das Babypräparat einfach länger geben?“ Bitte nicht ohne Rücksprache. Ob und wie lange die Prophylaxe über das erste Lebensjahr hinaus läuft, entscheidet die Kinderärztin – häufig wird das bei der Untersuchung rund um den ersten Geburtstag besprochen.
„Im Internet gibt es Tropfen mit 1.000 oder 2.000 IE pro Tropfen – sind die besser?“ Nein. Gerade solche hoch konzentrierten Präparate sind laut BfR der Grund für Vergiftungsfälle bei Babys. Für ältere Kinder und Erwachsene nennt das BfR, wenn überhaupt ergänzt wird, Produkte mit bis zu etwa 20 Mikrogramm (800 IE) pro Tag als Orientierung – für Kinder gilt trotzdem: erst ärztlich abklären.
Babys: Prophylaxe nach ärztlicher Verordnung. Ältere Kinder: viel draußen sein, abwechslungsreich essen und bei Unsicherheit die Kinderärztin fragen, statt im Internet Hochdosis-Tropfen zu bestellen.
So klappt’s bei euch
Was dieser Ratgeber für euren Ernährungsstil bedeutet.
Vitamin D kommt vor allem aus der Sonne; übers Essen bleiben vegan nur Pilze und angereicherte Produkte. ESPGHAN empfiehlt eine altersgerechte Versorgung – ob ein Präparat nötig ist, gehört in die ärztliche Begleitung.
Eigelb und manche Speisepilze liefern etwas Vitamin D, reichen aber nicht aus. Im Sommerhalbjahr viel draußen sein und bei Unsicherheit die Kinderärztin fragen.
Fetter Seefisch gehört zu den wenigen nennenswerten Vitamin-D-Quellen – Lachs oder Hering 1–2-mal pro Woche tragen etwas bei. Die Sonne im Sommerhalbjahr ersetzt er aber nicht.
Fetter Seefisch und Eigelb liefern etwas Vitamin D, übers Essen kommen Kinder trotzdem nur auf etwa 1–2 µg am Tag. Entscheidend ist regelmäßige Zeit im Freien von Frühling bis Herbst; Präparate nur nach ärztlicher Rücksprache.
Häufige Fragen
Soll ich meinem Schulkind im Winter Vitamin D geben?
Für gesunde Kinder ab zwei Jahren gibt es keine generelle Empfehlung. Ob es in eurem Fall sinnvoll ist, etwa bei wenig Zeit im Freien oder bestimmten Erkrankungen, klärt die Kinderärztin oder der Kinderarzt.
Wie lange bekommt mein Baby Vitamin D?
Im ersten Lebensjahr täglich, in Österreich üblicherweise 400 IE, ärztlich verordnet. Ob die Gabe im zweiten Winter weiterläuft, besprecht ihr bei der Vorsorgeuntersuchung.
Kann man Vitamin D überdosieren?
Ja. Vor allem hoch dosierte Präparate für Erwachsene können bei Babys und Kleinkindern zu gefährlichen Vergiftungen führen. Nur das empfohlene Präparat in der verordneten Dosis geben.
Quellen
- DGE – Referenzwerte Vitamin Dwww.dge.de
- DGE/BfR/MRI – Ausgewählte Fragen und Antworten zu Vitamin Dwww.dge.de
- BfR – Vitamin-D-Vergiftung bei Säuglingenwww.bfr.bund.de
- Ärzteblatt 2018 – DGKJ: Studienlage spricht gegen Vitamin-D-Gabe ab zwei Jahrenwww.aerzteblatt.de
- ESPGHAN 2025 – Positionspapier vegane Ernährung bei Kindernwww.espghan.org
Dieser Beitrag ist allgemeine Information und ersetzt keine individuelle Beratung durch Kinderärztin, Kinderarzt oder Diätologin. Er gibt den Wissensstand zum angegebenen Datum wieder.