Das Wichtigste in Kürze
- Im ersten Lebensjahr sind Pflanzendrinks kein Ersatz für Muttermilch oder Säuglingsnahrung.
- Reisdrinks sind für kleine Kinder als Milchersatz ungeeignet – wegen Arsen.
- Sojadrink kommt beim Eiweiß Kuhmilch am nächsten.
- Ungesüßt und mit Calcium und B12 angereichert ist die beste Wahl.
- Abwechseln zwischen Sorten senkt das Risiko für unerwünschte Stoffe.
Das Kühlregal ist inzwischen eine kleine Wissenschaft: Hafer, Soja, Mandel, Reis, Erbse, Dinkel, Cashew, mit und ohne Zucker, Bio oder angereichert. Für Erwachsene ist das vor allem eine Geschmacksfrage. Bei Kindern macht die Wahl dagegen einen echten Unterschied – und im ersten Lebensjahr kann sie sogar gefährlich werden.
Die wichtigste Regel zuerst
Babys brauchen Muttermilch oder eine Säuglingsnahrung. Für vegane Familien gibt es Säuglingsnahrung auf Sojaproteinbasis oder auf Basis von hydrolysiertem Reisprotein – das ist etwas völlig anderes als Reisdrink. Selbstgemachte oder gekaufte Pflanzendrinks sind als Milchersatz im ersten Jahr ungeeignet; es sind lebensbedrohliche Mangelzustände bei Säuglingen dokumentiert. Im Brei verkocht sind kleine Mengen kein Problem.
Ab etwa einem Jahr können ungesüßte, mit Calcium angereicherte Soja-, Hafer- oder Mandeldrinks Teil einer ausgewogenen Ernährung sein. So formuliert es zum Beispiel der britische Gesundheitsdienst NHS. Aber: Ein Pflanzendrink ist nicht einfach eine Kuhmilch in Grün. Die AGES betont, dass Pflanzendrinks kein vollwertiger Ersatz für Kuhmilch sind – umso wichtiger ist, was sonst auf dem Teller landet.
Die Sorten im Vergleich
| Drink | Stärken | Schwächen | Für Kinder |
|---|---|---|---|
| Soja | Am meisten Eiweiß, Kuhmilch am nächsten | Sojaallergie möglich, Geschmack nicht für alle | Erste Wahl ab 1 Jahr, angereichert |
| Hafer | Mild, beliebt, gut zum Kochen | Wenig Eiweiß, schmeckt auch ungesüßt süß | Gut ab 1 Jahr, angereichert; nicht als einzige Eiweißquelle |
| Mandel | Wenig Kalorien, nussiger Geschmack | Sehr wenig Eiweiß und Energie; BfR fand Aflatoxin in vielen Proben | Eher als Abwechslung |
| Reis | Allergiearm | Kann Arsen enthalten, wenig Eiweiß | Für kleine Kinder als Milchersatz ungeeignet |
| Erbse | Relativ viel Eiweiß | Seltener angereichert erhältlich | Alternative bei Sojaallergie, Etikett prüfen |
Reisdrinks: Warum Vorsicht?
Reis nimmt beim Wachsen mehr Arsen aus Boden und Wasser auf als andere Getreide. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät deshalb, Säuglinge und Kleinkinder nicht ausschließlich mit Reisdrinks oder Reisbrei zu ernähren. Der NHS geht weiter: Kinder unter fünf Jahren sollen Reisdrinks nicht als Ersatz für Muttermilch, Säuglingsnahrung oder Kuhmilch bekommen. Auch die AGES empfiehlt, Reisdrinks sparsam zu verwenden, und hält sie für Kinder für eher ungeeignet. Ein Schluck beim Freund ist kein Drama, aber als tägliches Getränk ist Reis keine gute Wahl.
Mandeldrinks: Neue Daten vom BfR
Das BfR hat 2026 eine Untersuchung von 162 Hafer-, Mandel- und Sojadrinks auf Schimmelpilzgifte und Pflanzentoxine bewertet, mit Blick auf Kinder von sechs Monaten bis unter sechs Jahren. In den meisten Mandeldrinks fand sich Aflatoxin B1, für das sich kein sicherer Grenzwert ableiten lässt; das Risiko für Kinder wurde als mittel eingestuft. Bei Haferdrinks wurden Schäden durch die gefundenen Pilzgifte als unwahrscheinlich bewertet. Die Empfehlung des BfR: abwechslungsreich essen und nicht nur auf eine einzige Sorte setzen.
Angereichert oder nicht?
Für Kinder klar: angereichert. Laut AGES können Pflanzendrinks mit Calcium, Vitamin D, B12, B2 und Vitamin E angereichert sein. Ein angereicherter Drink liefert etwa 120 mg Calcium pro 100 ml – so viel wie Kuhmilch. Allerdings ist nur rund ein Drittel der untersuchten Produkte angereichert. Ob ein Drink dazugehört, verraten Zutatenliste und Nährwerttabelle – ein Blick darauf lohnt sich bei jeder Marke, gerade auch bei Bio-Produkten.
Zutatenliste: ohne Zuckerzusatz? Nährwerttabelle: Calcium um 120 mg pro 100 ml? Dazu B12, gern Vitamin D und B2. Beim Eiweiß schneidet Soja am besten ab. Jod ist in Pflanzendrinks meist nicht enthalten – Jodsalz bleibt also wichtig.
Zuckergehalt im Blick
Getreidedrinks wie Hafer oder Reis schmecken auch ohne Zuckerzusatz süßlich, weil beim Herstellen Stärke zu Zucker abgebaut wird. Laut AGES können sie dadurch mehr Zucker enthalten als manche gesüßten Nuss- oder Sojadrinks. Kakao- und Vanillevarianten sind ohnehin eher Süßigkeit als Grundnahrungsmittel.
Unsere Orientierung nach Alter
- 0–12 Monate: Muttermilch oder Säuglingsnahrung. Pflanzendrinks höchstens in kleinen Mengen im Brei.
- 1–5 Jahre: Ungesüßter, angereicherter Soja- oder Haferdrink. Kein Reisdrink als Milchersatz. Mandel nur als Abwechslung.
- Ab Schulalter: Mehr Freiheit bei der Sorte, angereichert und ungesüßt bleibt sinnvoll.
- Teenager: Calcium für den Knochenaufbau im Blick behalten – angereicherte Drinks helfen dabei.
Bei veganen Kleinkindern lohnt sich ein Gespräch mit der Kinderärztin oder einer Diätologin darüber, wie viel Drink sinnvoll ist und was ihn ergänzen sollte.
So klappt’s bei euch
Was dieser Ratgeber für euren Ernährungsstil bedeutet.
Im ersten Jahr nur Muttermilch oder Säuglingsnahrung auf Soja- bzw. Reisproteinbasis. Ab 1 Jahr einen ungesüßten, mit Calcium und B12 angereicherten Soja- oder Haferdrink wählen – Reisdrink nicht als Milchersatz, Mandel nur als Abwechslung.
Kuhmilch und Milchprodukte decken Calcium gut ab; Pflanzendrinks bringen Abwechslung, dann aber ungesüßt und angereichert. Auch für euch gilt: Reisdrink ist für kleine Kinder kein Milchersatz.
Ob Kuhmilch oder Pflanzendrink – ab 1 Jahr zählt ungesüßt, bei Pflanzendrinks zusätzlich die Calcium-Anreicherung. Jod steckt in Pflanzendrinks meist nicht, Jodsalz bleibt also wichtig, Seefisch trägt etwas bei.
Kuhmilch ist im ersten Jahr kein Ersatz für Muttermilch oder Säuglingsnahrung, bei Ein- bis Fünfjährigen gelten rund 500 ml pro Tag als grobe Obergrenze, damit die Eisenversorgung nicht leidet. Wer zusätzlich Pflanzendrinks nutzt: ungesüßt, angereichert und zwischen den Sorten abwechseln.
Häufige Fragen
Ab wann darf mein Kind Haferdrink trinken?
Als Getränk ab etwa einem Jahr, am besten ungesüßt und mit Calcium angereichert. Im ersten Lebensjahr ist er kein Ersatz für Muttermilch oder Säuglingsnahrung.
Warum sind Reisdrinks für Kinder ungeeignet?
Reis kann vergleichsweise viel anorganisches Arsen enthalten. BfR, AGES und NHS raten davon ab, kleine Kinder damit als Milchersatz zu versorgen; der NHS nennt ein Alter unter fünf Jahren.
Welcher Pflanzendrink ist für Kinder am besten?
Meist ein ungesüßter, mit Calcium und B12 angereicherter Sojadrink, weil er am meisten Eiweiß liefert. Bei Sojaallergie sind angereicherte Hafer- oder Erbsendrinks Alternativen.
Quellen
- AGES – Pflanzliche Milchalternativenwww.ages.at
- NHS – Drinks and cups for babies and young childrenwww.nhs.uk
- BfR – Reis und Reisprodukte enthalten viel anorganisches Arsenwww.bfr.bund.de
- Öko-Test – BfR-Bewertung von Mandel-, Hafer- und Sojadrinkswww.oekotest.de
- gesundheit.gv.at – Ernährung im ersten Lebensjahrwww.gesundheit.gv.at
Dieser Beitrag ist allgemeine Information und ersetzt keine individuelle Beratung durch Kinderärztin, Kinderarzt oder Diätologin. Er gibt den Wissensstand zum angegebenen Datum wieder.