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Teens 12–18: Wachstumsschub, Eisen, Selbstbestimmung

Teenager wachsen rasant, wollen selbst entscheiden – manchmal auch, vegan zu leben. Wie du begleitest statt verbietest und worauf du achten solltest.

6 Min Lesezeit 5 Quellen Stand: 16. Oktober 2026

Das Wichtigste in Kürze

  • Im Wachstumsschub steigt der Bedarf an Energie, Eisen und Calcium deutlich.
  • Will dein Teen vegan leben: unterstützen, gemeinsam planen, B12 supplementieren, ärztlich begleiten.
  • Energydrinks sind für Jugendliche ungeeignet – schon zwei Dosen überschreiten den Koffein-Richtwert.
  • Reden über Gesundheit statt über Gewicht; bei Warnzeichen für Essstörungen früh Hilfe holen.

Der Kühlschrank ist ständig leer, die Hosen sind nach drei Monaten zu kurz, und am Esstisch kommen plötzlich Diskussionen über Tierwohl, Proteinpulver oder die perfekte Figur. Willkommen in der Pubertät. Ernährung wird in diesen Jahren zu etwas sehr Persönlichem: Sie ist Identität, Statement, manchmal auch Kampfplatz. Deine Rolle verschiebt sich vom Bestimmen zum Begleiten. Das ist nicht weniger wichtig, nur anders.

Der Wachstumsschub braucht Nachschub

In kaum einer Lebensphase wächst der Körper so schnell. Das bedeutet mehr Hunger, und das ist gut so. Besonders zwei Nährstoffe rücken jetzt in den Fokus:

  • Eisen: Der Bedarf steigt durch das Wachstum, bei Mädchen zusätzlich durch die Menstruation. Gute pflanzliche Quellen sind Linsen, Bohnen, Kichererbsen, Tofu, Haferflocken, Hirse und Kürbiskerne. Kombiniert mit Vitamin C (Paprika, Zitrus, Beeren) wird Eisen besser aufgenommen, Schwarztee, Kaffee und Kakao zum Essen hemmen die Aufnahme.
  • Calcium: In der Jugend wird ein großer Teil der lebenslangen Knochenmasse aufgebaut. Calciumreiches Mineralwasser (über 150 mg pro Liter), angereicherte Pflanzendrinks, Tofu mit Calciumsulfat, Sesam und grünes Gemüse helfen dabei.

Dazu kommen Jod (Jodsalz verwenden) und Vitamin D, gerade in den dunklen Monaten.

„Ich werde vegan!“ – und jetzt?

Viele Jugendliche entscheiden sich aus ethischen oder ökologischen Gründen für eine vegane Ernährung. Ein Verbot führt erfahrungsgemäß eher dazu, dass heimlich und schlecht geplant gegessen wird. Besser: ernst nehmen und gemeinsam gut machen.

Ehrlich gesagt ist die Studienlage bei Kindern und Jugendlichen dünn. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung spricht für diese Altersgruppe weder eine Empfehlung noch ein Abraten aus. Die europäische Fachgesellschaft ESPGHAN betont 2025, dass ein normales Wachstum mit guter Planung möglich erscheint, aber noch nicht ausreichend belegt ist. Die VeChi-Youth-Studie fand bei veganen Jugendlichen, die supplementierten, meist eine ausreichende B12-Versorgung – in allen Gruppen waren Jod und Vitamin B2 knapp.

Vegan-Starterpaket für Teens

Täglich ein B12-Supplement (Dosis ärztlich abklären). Jeden Tag Hülsenfrüchte oder Soja. Angereicherte Pflanzendrinks. Jodsalz. Leinöl oder gemahlene Leinsamen für Omega-3. Einmal jährlich eine kinderärztliche Kontrolle mit Blutbild, ideal mit Beratung durch eine Diätologin.

Ein schöner Nebeneffekt: Ein Teen, der sich mit Nährstoffen beschäftigt, lernt kochen. Gib ihm die Küche an einem Abend pro Woche.

Energydrinks: klare Ansage

Die Dosen sind billig, bunt und in der Schule allgegenwärtig. Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hält fest: Jugendliche sollten höchstens 3 mg Koffein pro Kilogramm Körpergewicht am Tag aufnehmen, bei 50 kg also etwa 150 mg. Zwei übliche Dosen überschreiten das bereits. Größere Mengen können Herzrasen, Zittern, Übelkeit und Nervosität auslösen. Besonders riskant ist die Kombination mit intensivem Sport oder Alkohol.

3 mg/kgKoffein-Obergrenze pro Tag für Jugendliche (BfR/EFSA)
2 Dosenreichen bei 50 kg schon darüber
8–10 hSchlaf brauchen Teens – Koffein raubt ihn

Körperbild: worüber wir am Tisch reden

Teens sind umgeben von gefilterten Körpern auf Social Media. Was zu Hause gesagt wird, hat trotzdem Gewicht. Ein paar Leitlinien:

  • Rede über Kraft, Energie und Wohlbefinden, nicht über Kilos und Kalorien.
  • Kommentiere weder den Körper deines Kindes noch den anderer Menschen.
  • Keine Diäten für Jugendliche und keine „verbotenen“ Lebensmittel.
  • Sei Vorbild: Wie du über deinen eigenen Körper sprichst, hören sie mit.

Warnzeichen ernst nehmen

Nicht jede Veränderung im Essverhalten ist ein Grund zur Sorge. Hellhörig solltest du aber werden, wenn sich mehrere dieser Zeichen zeigen, die auch das österreichische Sozialministerium nennt:

  • starke gedankliche Beschäftigung mit Gewicht, Figur oder Essen
  • auffällige Essgewohnheiten, etwa exzessives Kalorienzählen, Auslassen von Mahlzeiten oder Essanfälle
  • rascher Gewichtsverlust oder stark schwankendes Gewicht
  • sozialer Rückzug, Stimmungsveränderungen, Vermeiden gemeinsamer Mahlzeiten

Eine vegane Ernährung ist übrigens kein Warnzeichen an sich. Achtsam sein solltest du, wenn sie vor allem dazu dient, immer mehr Lebensmittel wegzulassen.

Hilfe in Österreich

Sprich deine Sorge ruhig und ohne Vorwürfe an und hol früh professionelle Unterstützung – zuerst bei der Kinderärztin oder dem Hausarzt. Kostenlos und anonym beraten auch die Hotline für Essstörungen der Wiener Gesundheitsförderung unter 0800 20 11 20 sowie das Netzwerk Essstörungen unter 0512 57 60 26. Jugendliche selbst können sich anonym an „Rat auf Draht“ unter 147 wenden.

So klappt’s bei euch

Was dieser Ratgeber für euren Ernährungsstil bedeutet.

Täglich B12, jeden Tag Hülsenfrüchte oder Soja, angereicherte Drinks, Jodsalz und Leinöl – dazu einmal jährlich eine Kontrolle mit Blutbild. Eisen und Calcium brauchen im Wachstumsschub besondere Aufmerksamkeit.

Häufige Fragen

Soll ich meinem Teenager eine vegane Ernährung erlauben?

Unterstützen statt verbieten ist meist der bessere Weg: gemeinsam planen, B12 supplementieren, auf Eisen, Calcium, Jod und Vitamin D achten und ärztlich begleiten lassen.

Wie viel Koffein ist für Jugendliche okay?

Laut BfR höchstens 3 mg pro Kilogramm Körpergewicht am Tag – bei 50 kg also rund 150 mg. Zwei übliche Energydrink-Dosen liegen schon darüber.

Wo bekomme ich in Österreich Hilfe bei Verdacht auf eine Essstörung?

Bei Kinderärztin oder Hausarzt sowie kostenlos und anonym bei der Hotline für Essstörungen (0800 20 11 20) oder dem Netzwerk Essstörungen (0512 57 60 26).

Quellen

  1. ESPGHAN 2025 – Positionspapier vegane Ernährung bei Kindernwww.espghan.org
  2. Uni Bonn – VeChi Youth: Nährstoffversorgung bei Kindern und Jugendlichenwww.uni-bonn.de
  3. BfR – Übermäßiger Konsum von Energy Drinks erhöht Gesundheitsrisiko bei Kindern und Jugendlichenwww.bfr.bund.de
  4. Sozialministerium – Essstörungenwww.sozialministerium.gv.at
  5. gesundheit.gv.at – Hotlineswww.gesundheit.gv.at

Dieser Beitrag ist allgemeine Information und ersetzt keine individuelle Beratung durch Kinderärztin, Kinderarzt oder Diätologin. Er gibt den Wissensstand zum angegebenen Datum wieder.