Zum Inhalt springen

Jod: der unterschätzte Nährstoff für Kinder

Österreich war lange Jodmangelgebiet – und auch heute ist Jod bei vielen Kindern knapp. Warum Jodsalz zählt und warum Algen keine gute Lösung sind.

5 Min Lesezeit 5 Quellen Stand: 16. Oktober 2026

Das Wichtigste in Kürze

  • Jod braucht die Schilddrüse für Hormone, die Wachstum und Gehirnentwicklung steuern.
  • Nicht nur vegane Kinder: Auch bei Mischkost ist Jod oft knapp.
  • Wenn salzen, dann sparsam mit jodiertem Speisesalz.
  • Algen sind keine verlässliche Jodquelle – der Gehalt schwankt extrem.
  • Jodpräparate nur nach Rücksprache mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt.

Eisen, Calcium, Vitamin B12 – über diese Nährstoffe reden Eltern oft. Jod dagegen läuft meist unter dem Radar. Dabei ist es ein echter Schlüsselstoff: Ohne Jod kann die Schilddrüse ihre Hormone nicht bilden, und genau die steuern Wachstum, Knochenaufbau, Energiestoffwechsel und die Entwicklung des Gehirns. Das Tückische: Ein leichter Mangel macht lange keine Beschwerden. Darum lohnt sich ein genauer Blick – egal, ob ihr vegan, vegetarisch oder gemischt esst.

Warum Jod in Österreich ein Thema ist

Die Böden im Alpenraum sind von Natur aus jodarm. Österreich galt deshalb über Jahrzehnte als Jodmangelgebiet. Seit 1963 wird dem Speisesalz hierzulande Jod zugesetzt – jodiertes Vollsalz enthält 15 bis 20 mg Jod pro Kilogramm. Das hat viel verbessert. Erledigt ist das Thema damit aber nicht, denn wie viel Jod tatsächlich auf dem Teller landet, hängt stark davon ab, welches Salz im Haushalt steht und womit Brot, Gebäck oder Fertigprodukte gesalzen werden.

Wie viel Jod brauchen Kinder?

Die Referenzwerte für Deutschland, Österreich und die Schweiz (D-A-CH) steigen mit dem Alter:

AlterJod pro Tag
Säuglinge bis 12 Monate80 µg
1 bis unter 7 Jahre90 µg
7 bis unter 13 Jahre120 µg
13 bis unter 19 Jahre150 µg

Ein Mangel im Säuglings- und Kleinkindalter kann laut DGE die körperliche und geistige Entwicklung beeinträchtigen. Später kann sich die Schilddrüse vergrößern (Kropf).

Auch Mischkost-Kinder sind oft knapp versorgt

Viele glauben, Jod sei nur ein Veganer-Problem. Die Daten zeigen etwas anderes. Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat 2022 die Jodversorgung in Deutschland ausgewertet: Je nach Altersgruppe lagen zwischen rund 30 und 54 Prozent der 3- bis 17-Jährigen unter dem durchschnittlichen Bedarf, Mädchen häufiger als Burschen. Bei den 6- bis 12-Jährigen stammte fast die Hälfte des aufgenommenen Jods aus Jodsalz. Für Österreich gibt es keine ganz vergleichbaren aktuellen Zahlen, die Ausgangslage ist aber ähnlich.

Auch die VeChi-Youth-Studie fand bei 6- bis 18-Jährigen: Jod war in allen Gruppen kritisch – bei vegan, vegetarisch und gemischt ernährten Kindern. Bei rein pflanzlicher Ernährung fallen allerdings Milch, Eier und Seefisch als Jodlieferanten weg. Darum zählt Jod für ESPGHAN und DGE ausdrücklich zu den kritischen Nährstoffen bei veganer Ernährung.

seit 1963wird Speisesalz in Österreich jodiert
30–54 %der 3- bis 17-Jährigen in Deutschland unter dem Bedarf (BfR 2022)
90–150 µgJod pro Tag brauchen Kinder je nach Alter

So kommt Jod alltagstauglich auf den Teller

  • Jodsalz statt Ursalz: Viele Meer-, Stein- oder „Natur“-Salze sind nicht jodiert. Schau auf die Packung – dort muss „jodiert“ stehen.
  • Sparsam bleiben: Jodsalz ist kein Grund, mehr zu salzen. Es geht darum, das Salz, das ihr ohnehin verwendet, gegen jodiertes zu tauschen. Für Babys im ersten Lebensjahr gilt weiterhin: gar kein Salz.
  • Brot und Gebäck: Frag beim Bäcker nach, ob mit Jodsalz gebacken wird. Laut BfR wird in Deutschland nur ein kleiner Teil der Backwaren mit Jodsalz hergestellt.
  • Bei Mischkost: Milchprodukte und Seefisch tragen zur Versorgung bei, der Gehalt schwankt aber je nach Fütterung und Saison.
  • Bei veganer Ernährung: Besprich mit Kinderärztin oder Diätologin, ob ein Jodpräparat sinnvoll ist und in welcher Dosis. Bitte nicht auf eigene Faust dosieren.
Finger weg von Algen als Jodquelle

Getrocknete Meeresalgen klingen nach natürlicher Lösung, sind es aber nicht. Ihr Jodgehalt schwankt laut Verbraucherzentrale um das Tausendfache, Sorten wie Kombu gelten als besonders jodreich. Schon kleine Mengen können zu viel Jod liefern – und zu viel schadet der Schilddrüse ebenfalls. Die AGES hat bei Kontrollen immer wieder Algenprodukte mit fehlenden Warnhinweisen oder gesundheitsschädlich hohem Jodgehalt gefunden. Für Kinder gilt daher: keine Algen und keine Algen-Nahrungsergänzungen als Jodquelle.

Kann man zu viel Jod bekommen?

Über Jodsalz in üblichen Mengen praktisch nicht – darin sind sich AGES und das Gesundheitsportal einig. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat aber altersabhängige Obergrenzen festgelegt, etwa 200 µg pro Tag für Ein- bis Dreijährige und 300 µg für Sieben- bis Zehnjährige. Überschritten werden sie vor allem durch Algen, hoch dosierte Präparate oder jodhaltige Medikamente. Darum gehören Jodtabletten nur nach ärztlicher Rücksprache in die Hausapotheke.

Der Zwei-Minuten-Check

Geh heute kurz zum Gewürzregal: Steht dort jodiertes Salz? Wenn nicht, tauscht es beim nächsten Einkauf. Das ist eine der einfachsten Gesundheitsmaßnahmen für die ganze Familie.

So klappt’s bei euch

Was dieser Ratgeber für euren Ernährungsstil bedeutet.

Milch, Eier und Seefisch fallen als Jodquellen weg: Jodsalz sparsam, aber konsequent verwenden und ein Jodpräparat mit Kinderärztin oder Diätologin besprechen. Algen sind keine Jodquelle.

Häufige Fragen

Brauchen Kinder bei Mischkost ein Jodpräparat?

In der Regel nicht, wenn im Haushalt konsequent jodiertes Speisesalz verwendet wird und Milchprodukte oder Seefisch auf dem Speiseplan stehen. Ob ein Präparat nötig ist, entscheidet die Kinderärztin oder der Kinderarzt.

Ist Meersalz eine gute Jodquelle?

Nein. Meersalz und viele Spezialsalze sind meist nicht jodiert und enthalten zu wenig Jod. Achte auf die Kennzeichnung „jodiert“.

Warum sind Algen für Kinder problematisch?

Der Jodgehalt getrockneter Algen schwankt enorm und kann sehr hoch sein. Schon kleine Mengen können die Obergrenzen für Kinder überschreiten und die Schilddrüse belasten.

Quellen

  1. Gesundheitsportal Österreich – Jodwww.gesundheit.gv.at
  2. AGES – Jod (Algenprodukte, Obergrenzen)www.ages.at
  3. DGE – Referenzwerte Jodwww.dge.de
  4. BfR 2022 – Rückläufige Jodzufuhr in der Bevölkerung (Stellungnahme 026/2022)www.bfr.bund.de
  5. Verbraucherzentrale – Oft zu viel Jod in Meeresalgen-Produktenwww.verbraucherzentrale.de

Dieser Beitrag ist allgemeine Information und ersetzt keine individuelle Beratung durch Kinderärztin, Kinderarzt oder Diätologin. Er gibt den Wissensstand zum angegebenen Datum wieder.