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Zink pflanzlich: So holt ihr mehr aus Vollkorn und Hülsenfrüchten

Zink steckt in vielen Pflanzen – nur bindet Phytat einen Teil davon. Mit Einweichen, Keimen und Sauerteig verbessert ihr die Aufnahme ganz nebenbei.

5 Min Lesezeit 5 Quellen Stand: 16. Oktober 2026

Das Wichtigste in Kürze

  • Zink ist wichtig für Wachstum, Immunsystem und Wundheilung.
  • Gute pflanzliche Quellen: Hülsenfrüchte, Vollkorn, Haferflocken, Nüsse und Samen.
  • Phytat bindet Zink im Darm – Einweichen, Keimen und Sauerteig bauen es ab.
  • Bei veganer Ernährung gilt Zink als potenziell kritisch.
  • Zinkpräparate nur nach ärztlicher Rücksprache – zu viel ist schädlich.

Zink ist so ein Nährstoff, an den kaum jemand denkt, bis er fehlt. Dabei mischt er überall mit: beim Wachstum, im Immunsystem, bei der Wundheilung, beim Geschmackssinn. Wer pflanzenbetont oder vegan isst, hat eigentlich viele gute Zinkquellen auf dem Teller. Der Haken heißt Phytat. Die gute Nachricht: Mit ein paar alten Küchentricks lässt sich das Problem deutlich entschärfen.

Wie viel Zink brauchen Kinder?

Die D-A-CH-Referenzwerte steigen mit dem Alter:

AlterZink pro Tag
1 bis unter 4 Jahre3 mg
4 bis unter 7 Jahre4 mg
7 bis unter 10 Jahre6 mg
10 bis unter 13 Jahre9 mg (Burschen) / 8 mg (Mädchen)
13 bis unter 15 Jahre12 mg / 10 mg
15 bis unter 19 Jahre14 mg / 11 mg

Ein Mangel kann sich laut US-Gesundheitsbehörde NIH bei älteren Kindern unter anderem durch verzögertes Wachstum, Haarausfall und häufigere Infekte zeigen, bei Kleinkindern oft durch Durchfall. Diese Zeichen sind aber unspezifisch – eine Diagnose gehört in ärztliche Hände.

Das Phytat-Problem

Phytat ist die Speicherform von Phosphor in Getreide, Hülsenfrüchten, Nüssen und Samen – also genau in den Lebensmitteln, die auch viel Zink liefern. Im Darm bindet Phytat Zink und macht es schwerer verfügbar. Laut NIH schwankt die Zinkaufnahme aus der Nahrung deshalb stark, je nachdem, wie pflanzlich gegessen wird. Zink aus tierischen Lebensmitteln wird generell besser aufgenommen. Darum zählen DGE und ESPGHAN Zink bei veganer Ernährung zu den Nährstoffen, auf die man achten sollte.

Kein Grund, Vollkorn zu meiden

Phytat ist kein Feind. Vollkorn und Hülsenfrüchte bleiben hervorragende Lebensmittel mit Ballaststoffen, Eiweiß, Eisen und eben Zink. Es geht nur darum, sie geschickt zuzubereiten.

Drei Küchentricks gegen Phytat

Die DGE nennt drei Methoden, die Phytat abbauen und die Zinkverfügbarkeit verbessern: Einweichen, Keimen und Sauerteig-Gärung.

1. Einweichen

Getrocknete Bohnen, Kichererbsen oder auch Haferflocken einige Stunden oder über Nacht einweichen und das Einweichwasser wegschütten. Das ist bei Hülsenfrüchten ohnehin üblich und macht sie zudem bekömmlicher. Overnight Oats sind übrigens nichts anderes als eingeweichte Haferflocken.

2. Keimen

Linsen, Mungbohnen oder Getreide keimen lassen aktiviert pflanzeneigene Enzyme, die Phytat abbauen. Achtung bei Kleinkindern: Rohe Sprossen können mit Keimen belastet sein – für die Kleinsten deshalb kurz erhitzen oder gekeimte Hülsenfrüchte mitkochen.

3. Sauerteig und Fermentation

Am wirksamsten ist Gärung. Eine Laborstudie mit Mais (Frontiers in Nutrition, 2024) zeigte: Einweichen allein reduzierte Phytat um rund 13 Prozent, Keimen um rund 32 Prozent, Fermentation je nach Methode um 52 bis 69 Prozent – und die Kombination aus Einweichen, Keimen und Fermentieren um über 85 Prozent. Die Zahlen gelten für Mais im Labor, die Richtung ist aber klar. Im Alltag heißt das: Sauerteigbrot statt schnell gegangenem Hefebrot, gern auch mal Tempeh statt Tofu.

ca. 13 %weniger Phytat durch Einweichen
ca. 32 %durch Keimen
über 85 %durch Einweichen, Keimen und Fermentation kombiniert (Maisstudie)

Zinkreiche Teller für jeden Tag

  • Frühstück: über Nacht eingeweichter Haferbrei mit Kürbiskernmus oder Sesam, dazu Obst.
  • Jause: Sauerteig-Vollkornbrot mit Kichererbsen-Aufstrich oder Hummus.
  • Mittag: Linsen-Dal oder Linsen-Bolognese – eingeweichte Linsen, Vollkornnudeln.
  • Zwischendurch: Nussmus statt ganzer Nüsse für Kinder unter vier bis fünf Jahren (Verschluckungsgefahr).

Wer gemischt isst, bekommt über Milchprodukte, Eier oder Fleisch zusätzlich gut verfügbares Zink. Laut DGE verbessert schon die Kombination mit tierischem Eiweiß in derselben Mahlzeit die Aufnahme aus Pflanzen.

Wer besonders aufpassen sollte

Laut NIH haben Menschen, die sich vegetarisch oder vegan ernähren, oft eine geringere Zinkzufuhr und niedrigere Blutwerte – nicht weil Pflanzen kein Zink enthalten, sondern weil es schlechter verfügbar ist. Bei Kindern kommt der hohe Bedarf im Wachstum dazu, bei Teenagern der Wachstumsschub. Wer sehr wählerisch isst oder kaum Hülsenfrüchte und Vollkorn mag, hat ebenfalls weniger Spielraum. In diesen Fällen lohnt sich ein Blick auf den Wochenplan gemeinsam mit einer Diätologin. Hilfreich sind auch unsere Beiträge zu pflanzlichen Proteinen und Eisen und Calcium – die Lebensmittel überschneiden sich stark.

Keine Zinktabletten auf Verdacht

Zu viel Zink ist schädlich und kann unter anderem die Kupferversorgung stören. Die NIH nennt für Ein- bis Dreijährige eine Obergrenze von nur 7 mg pro Tag. Präparate deshalb nur nach ärztlicher Rücksprache.

So klappt’s bei euch

Was dieser Ratgeber für euren Ernährungsstil bedeutet.

Hülsenfrüchte, Vollkorn, Haferflocken, Nüsse und Samen sind gute Quellen – Einweichen, Keimen und Sauerteig bauen das Phytat ab. Sauerteigbrot und gern auch Tempeh sind deshalb gute Wahl; Zinkpräparate nur nach ärztlicher Rücksprache.

Häufige Fragen

Bekommen vegan ernährte Kinder genug Zink?

Das ist möglich, wenn regelmäßig Hülsenfrüchte, Vollkorn, Nüsse und Samen auf dem Speiseplan stehen und phytatarm zubereitet wird. Ob die Versorgung passt, klärt ihr mit Kinderarzt und Diätologin.

Was bringt Sauerteigbrot beim Zink?

Bei der Sauerteig-Gärung wird Phytat abgebaut. Dadurch kann der Körper mehr Zink und Eisen aus dem Getreide aufnehmen als bei schnell gebackenem Brot.

Soll ich meinem Kind Zink geben, wenn es oft krank ist?

Nicht auf eigene Faust. Häufige Infekte haben bei Kindern meist andere Ursachen. Ein Präparat ist nur sinnvoll, wenn ärztlich ein Mangel festgestellt wurde.

Quellen

  1. DGE – Referenzwerte Zinkwww.dge.de
  2. NIH Office of Dietary Supplements – Zinc Fact Sheetods.od.nih.gov
  3. Nsabimana et al. 2024, Frontiers in Nutrition – Phytatreduktion durch Fermentation, Einweichen und Keimenwww.frontiersin.org
  4. ESPGHAN 2025 – Positionspapier vegane Ernährung bei Kindernwww.espghan.org
  5. DGE 2024 – Positionspapier vegane Ernährung (Langversion)publications.pik-potsdam.de

Dieser Beitrag ist allgemeine Information und ersetzt keine individuelle Beratung durch Kinderärztin, Kinderarzt oder Diätologin. Er gibt den Wissensstand zum angegebenen Datum wieder.