Das Wichtigste in Kürze
- Fünf Portionen Gemüse und Obst am Tag, ideal drei Gemüse und zwei Obst – eine Portion ist etwa eine Faust.
- Hülsenfrüchte mindestens dreimal pro Woche, vegetarisch mindestens viermal.
- Vollkorn bevorzugen: Für Erwachsene gelten mindestens 30 g Ballaststoffe täglich als Richtwert.
- Ein halber Teller Gemüse ist die einfachste Faustregel für jeden Ernährungsstil.
- Kinder übernehmen oft die Essgewohnheiten der Eltern – gemeinsam essen zählt mehr als perfekt essen.
Morgens die Brotdose für den Kindergarten, mittags ein schnelles Weckerl zwischen zwei Terminen, abends die Frage, die jeden Tag wiederkommt: Was essen wir heute? Zwischen 25 und 50 läuft das Leben oft auf Hochtouren, und die eigene Ernährung rutscht dabei leicht ans Ende der Liste. Die gute Nachricht: Gut essen heißt in diesen Jahren nicht, alles perfekt zu machen. Es heißt, ein paar verlässliche Gewohnheiten zu haben, die auch an chaotischen Tagen funktionieren. Und zwar egal, ob du vegan, vegetarisch, mit Fisch oder mit allem isst.
Was die neuen Empfehlungen konkret sagen
Österreich hat seit 2024 neue Ernährungsempfehlungen für Erwachsene, erarbeitet unter anderem von der AGES und der Österreichischen Gesellschaft für Ernährung. Neu ist, dass es sie in zwei gleichwertigen Varianten gibt: mit Fisch und Fleisch oder ovo-lacto-vegetarisch. Die Basis ist bei beiden gleich und deutlich pflanzenbetont:
- Gemüse und Obst: 5 Portionen am Tag, ideal 3 Portionen Gemüse und 2 Portionen Obst. Eine Portion entspricht ungefähr einer Faust.
- Getreide und Erdäpfel: 4 Portionen am Tag (vegetarisch 5), bevorzugt Vollkorn.
- Hülsenfrüchte: mindestens 3 Portionen pro Woche (vegetarisch mindestens 4). Eine Portion sind etwa 125 g gekochte Linsen, Bohnen oder Kichererbsen oder rund 80 g Tofu oder Tempeh.
- Öle, Nüsse und Samen: bis zu 2 Portionen am Tag, also etwa ein Esslöffel Öl oder zwei Esslöffel Nüsse pro Portion.
- Trinken: mindestens 1,5 Liter, am besten Wasser.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat 2024 ihre Empfehlungen ebenfalls überarbeitet und kommt zu einem sehr ähnlichen Bild: mindestens fünf Portionen Gemüse und Obst, täglich eine kleine Handvoll Nüsse, Vollkorn statt Weißmehl. Wer Fleisch isst, soll laut DGE insgesamt nicht mehr als 300 g Fleisch und Wurst pro Woche essen, Fisch ein- bis zweimal pro Woche.
Der halbe Teller Gemüse
Portionen zählen ist im Alltag mühsam. Einfacher ist ein Bild: das Tellermodell, wie es etwa die Harvard School of Public Health verwendet. Die Hälfte des Tellers füllt Gemüse (und etwas Obst), ein Viertel Vollkorngetreide, ein Viertel eine Eiweißquelle. Ob das Linsen, Tofu, ein Ei, ein Stück Fisch oder Fleisch ist, entscheidest du. Ein kleiner Unterschied zu Österreich: Im Harvard-Modell zählen Erdäpfel nicht als Gemüse, in den österreichischen Empfehlungen gehören sie zur Gruppe Getreide und Erdäpfel. Auf deinem Teller wandern sie also ins Vollkorn-Viertel, nicht in die Gemüse-Hälfte.
Das Schöne an diesem Bild: Es funktioniert für jeden Stil, am Familientisch genauso wie in der Kantine. Und es lenkt den Blick auf das, was dazukommt, statt auf das, was wegsoll.
Ballaststoffe: die stille Lücke
Die DGE empfiehlt Erwachsenen mindestens 30 g Ballaststoffe am Tag. Erreicht wird das selten: Laut einer Einordnung des Max Rubner-Instituts lag die Zufuhr in Deutschland im Median bei 18 g (Frauen) bzw. 19 g (Männer). Das sind allerdings Daten aus der Nationalen Verzehrsstudie von 2005 bis 2007, neuere repräsentative Zahlen gibt es laut MRI nicht. Wie die 30 g in der Praxis aussehen, zeigt ein Rechenbeispiel der DGE: Eine Scheibe Vollkornbrot (50 g) bringt etwa 4 g, eine Portion Vollkornnudeln (125 g) rund 6 g, eine Portion Erbsen (125 g) knapp 12 g. Mehr dazu, auch wie du langsam steigerst, liest du in Ballaststoffe für Erwachsene.
Du isst vor, auch wenn du es nicht merkst
Wenn Kinder im Haus sind, isst du nie ganz allein. „Richtig essen von Anfang an“, das österreichische Programm für Kinderernährung, hält fest: Kinder übernehmen oft die Essgewohnheiten ihrer Eltern. Das ist kein Grund für schlechtes Gewissen, sondern eine Chance. Wenn du selbst Gemüse isst, Wasser trinkst und Süßes eher selten nimmst, lernen Kinder das nebenbei. Gemeinsame Mahlzeiten, so oft es geht, sind dabei wichtiger als ein perfektes Menü. Wie das auch an stressigen Abenden gelingt, findest du in Familienessen ohne Stress.
Hier geht es nicht ums Abnehmen und nicht ums Kalorienzählen. Die Empfehlungen beschreiben, was dein Körper gut gebrauchen kann. Wenn du gesundheitliche Fragen oder besondere Bedürfnisse hast, ist eine Diätologin oder deine Hausärztin die richtige Ansprechperson.
Strategien für volle Tage
- Ein Vorrat, der rettet: Linsen und Kichererbsen aus dem Glas oder der Dose, Tiefkühlgemüse, Vollkornnudeln, Haferflocken, passierte Paradeiser. Damit steht in 15 Minuten ein Abendessen am Tisch.
- Einmal kochen, zweimal essen: Linseneintopf, Chili oder Gemüsecurry in doppelter Menge kochen. Die zweite Hälfte ist die Mittagsjause für morgen.
- Plus eins statt minus alles: Zu jeder Mahlzeit eine Gemüse- oder Obstportion dazu. Paprikastreifen zum Butterbrot, eine Handvoll Fisolen in die Nudelsauce, ein Apfel zur Besprechung.
- Grob planen: Drei Hülsenfrüchte-Abende pro Woche fix einplanen, den Rest flexibel lassen. Das reicht schon, um die Empfehlung zu erfüllen.
- Die Wasserflasche am Schreibtisch: Trinken passiert, wenn es in Reichweite ist.
Koch die Basis gemeinsam, zum Beispiel Vollkornnudeln mit Gemüsesauce, und lass jede und jeden die eigene Eiweißquelle dazugeben: Linsen, Tofu, geriebenen Käse oder ein Stück Fisch. Ideen dafür gibt es in Eine Familie, viele Ernährungsstile und bei unseren Rezepten.
Und wenn es mal nicht klappt?
Dann klappt es eben morgen. Ernährung ist ein Muster über Wochen, nicht die Summe einzelner Mahlzeiten. Eine Woche mit drei Linsengerichten, viel Gemüse und täglich Wasser ist ein gutes Fundament, auch wenn dazwischen eine Pizza vom Lieferdienst kommt. Für Frauen lohnt sich in diesen Jahren zusätzlich ein Blick auf das Thema Eisen, und für alle der Blick auf den Salzstreuer: mehr dazu in Salz und Blutdruck.
So klappt’s bei euch
Was dieser Ratgeber für euren Ernährungsstil bedeutet.
Hülsenfrüchte, Tofu und Tempeh sind deine tägliche Eiweißbasis, statt Milchprodukten helfen calciumangereicherte Pflanzendrinks. Vitamin B12 brauchst du als Präparat, Jodsalz und Omega-3-Quellen wie Rapsöl gehören fix dazu.
Die vegetarische Variante der österreichischen Empfehlungen sieht 3 Portionen Milchprodukte am Tag, mindestens 4 Portionen Hülsenfrüchte pro Woche und bis zu 4 Eier vor. Wer keinen Meeresfisch isst, dem raten die Empfehlungen zu täglich einem Esslöffel Rapsöl zusätzlich.
Fisch einmal pro Woche passt gut, die Hülsenfrüchte-Tage bleiben trotzdem wichtig. Wähle quecksilberarme Sorten wie Forelle, Saibling, Lachs oder Hering.
Laut Empfehlung reichen pro Woche eine Portion Fisch, eine Portion mageres Fleisch und eine weitere Portion Fisch oder Fleisch. Wurst zählt zur Fleischportion, rotes Fleisch und Wurst lieber seltener.
Häufige Fragen
Wie viel Gemüse und Obst sollte ich als Erwachsene oder Erwachsener essen?
Die österreichischen Ernährungsempfehlungen nennen 5 Portionen am Tag, ideal 3 Portionen Gemüse und 2 Portionen Obst. Eine Portion ist ungefähr eine Faust voll.
Zählen Erdäpfel als Gemüse?
In den österreichischen Empfehlungen gehören Erdäpfel zur Gruppe Getreide und Erdäpfel, nicht zum Gemüse. Auf dem Teller zählen sie also zum Getreide-Viertel.
Gibt es die Empfehlungen auch ohne Fleisch?
Ja. Die österreichischen Ernährungsempfehlungen von 2024 gibt es in einer Variante mit Fisch und Fleisch und einer ovo-lacto-vegetarischen. Die vegetarische Variante sieht etwas mehr Hülsenfrüchte, Getreide und Milchprodukte vor.
Quellen
- Sozialministerium – Österreichische Ernährungsempfehlungen NEU (Stand 15.1.2026)www.sozialministerium.gv.at
- DGE – Gut essen und trinken: die DGE-Empfehlungenwww.dge.de
- Max Rubner-Institut – Wissenschaftliche Einordnung Ballaststoffe (2026)www.mri.bund.de
- Harvard T.H. Chan School of Public Health – Healthy Eating Platenutritionsource.hsph.harvard.edu
- Richtig essen von Anfang an – Gemeinsam essenwww.richtigessenvonanfangan.at
Dieser Beitrag ist allgemeine Information und ersetzt keine individuelle Beratung durch Kinderärztin, Kinderarzt oder Diätologin. Er gibt den Wissensstand zum angegebenen Datum wieder.