Das Wichtigste in Kürze
- Ovo-lacto-vegetarisch lässt sich laut DGKJ in der Regel bedarfsgerecht gestalten.
- B12 kommt bei vegetarischer Ernährung meist ausreichend über Milch und Ei.
- Eisen bei Vorsorgeuntersuchungen im Blick behalten, mit Vitamin C kombinieren.
- Jodsalz verwenden, Omega-3 über Rapsöl, Leinöl oder Mikroalgenöl.
- Fleisch durch Hülsenfrüchte, Tofu und Ei ersetzen – nicht nur durch Käse.
„Mama, ich ess ab jetzt keine Tiere mehr.“ Oder ihr habt als Familie ohnehin schon lange kein Fleisch mehr am Tisch. So oder so stellt sich die Frage: Bekommt ein Kind ohne Fleisch und Fisch alles, was es zum Wachsen braucht? Die kurze Antwort der Kinderärzte lautet: in der Regel ja. Die etwas längere: ja, wenn ihr bei ein paar Nährstoffen genauer hinschaut.
Was die Kinderärzte 2026 sagen
Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) hat 2026 eine Stellungnahme zu fleischloser Kinderernährung veröffentlicht. Darin heißt es sinngemäß: Eine ovo-lacto-vegetarische Ernährung, also mit Milchprodukten und Eiern, lässt sich für Kinder in der Regel bedarfsgerecht gestalten, sofern sie ausgewogen und altersgerecht ist. Studien deuten sogar darauf hin, dass vegetarisch essende Kinder oft mehr Gemüse, Obst, Vollkorn und Ballaststoffe und weniger gesättigte Fette zu sich nehmen.
Auch die VeChi-Youth-Studie mit 6- bis 18-Jährigen fand bei vegetarischen Kindern bei den meisten Nährstoffen eine gute Versorgung. Vitamin B12 war meist ausreichend – Milch und Ei liefern es. Knapp waren, wie bei allen anderen Gruppen auch, Jod und Vitamin B2.
Die drei Säulen: Milch, Ei und Hülsenfrüchte
Milchprodukte
Sie liefern Calcium, hochwertiges Eiweiß, Vitamin B12 und Jod. Die österreichische Plattform „Richtig essen von Anfang an!“ empfiehlt Kleinkindern drei Portionen Milchprodukte am Tag, zwei „weiße“ wie Milch, Joghurt oder Topfen und eine „gelbe“, also Käse. Mehr dazu in Milch, Käse und Ei.
Eier
Ein Ei bringt hochwertiges Eiweiß und Vitamin B12 mit und lässt sich vielseitig verwenden. Für Kinder gilt: immer gut durchgegart, nie roh.
Hülsenfrüchte
Linsen, Bohnen, Kichererbsen und Erbsen sind das Herzstück einer fleischlosen Küche. Sie liefern Eiweiß, Eisen, Zink und Ballaststoffe. Tofu und Tempeh zählen auch dazu. Mehr in Pflanzliche Proteine für Kinder.
Worauf ihr besonders achten solltet
- Eisen: Eisen aus Pflanzen wird schlechter aufgenommen als aus Fleisch. Die DGKJ empfiehlt, die Eisenversorgung bei den Vorsorgeuntersuchungen im Blick zu behalten, vor allem bei Babys, Kleinkindern und Mädchen mit Periode. Der Trick im Alltag: Hülsenfrüchte, Hirse oder Haferflocken mit Vitamin C kombinieren, etwa Paprika, Kiwi oder Orangenstücke. Details in Eisen und Calcium pflanzlich und Eisenmangel erkennen.
- Jod: Ohne Seefisch fehlt eine wichtige Jodquelle. Jodsalz verwenden, sparsam, aber regelmäßig. Siehe Jod für Kinder.
- Omega-3: Die langkettigen Fettsäuren EPA und DHA stecken vor allem in fettem Fisch. Die DGKJ nennt für Kinder ohne Fisch Mikroalgenöle als Option. Im Alltag helfen Rapsöl, Leinöl und gemahlene Leinsamen. Mehr in Omega-3 für Kinder.
- Zink: steckt in Vollkorn, Hülsenfrüchten, Nüssen und Käse. Einweichen und Keimen verbessern die Aufnahme, siehe Zink pflanzlich.
Wer nur das Fleisch weglässt, landet schnell bei Nudeln mit Käse, Pizza und Butterbrot. Das ist fleischlos, aber nicht gut geplant. Ersetzt das Fleisch bewusst durch Hülsenfrüchte, Tofu oder Ei, und nicht bloß durch mehr Käse.
Die österreichische Orientierung für den Familientisch
Seit 2024 gibt es die österreichischen Ernährungsempfehlungen erstmals auch in einer ovo-lacto-vegetarischen Variante. Sie gilt für Erwachsene, taugt aber gut als Orientierung für den Familientisch: täglich drei Portionen Milchprodukte (zwei weiße, eine gelbe), mindestens vier Portionen Hülsenfrüchte pro Woche, bis zu vier Eier pro Woche und fünf Portionen Getreide oder Erdäpfel am Tag. Ausdrücklich genannt werden Omega-3, B12, Eisen, Zink, Jod und Selen als Nährstoffe, auf die man achten sollte. Für Kinder bis 10 Jahre gelten die eigenen Mengenempfehlungen von „Richtig essen von Anfang an!“, die Portionen richten sich dort nach der Kinderhand.
Ein vegetarischer Tag zum Nachkochen
- Frühstück: Haferbrei mit Milch, geriebenem Apfel und gemahlenen Leinsamen
- Jause: Vollkornbrot mit Kichererbsenaufstrich und Paprikastreifen
- Mittag: Linsen-Gemüse-Eintopf mit Erdäpfeln, dazu Rohkost
- Nachmittag: Naturjoghurt mit Beeren
- Abend: Eierspeis mit Vollkornbrot und Paradeisern, in Rapsöl gebraten
Falls euer Kind den Wunsch selbst äußert und der Rest der Familie weiter Fleisch isst, findet ihr Tipps in Eine Familie, viele Ernährungsstile. Und wenn ihr irgendwann über vegan nachdenkt: Lest vorher was die Wissenschaft sagt – da wird B12 als Präparat unverzichtbar.
Häufige Fragen
Braucht ein vegetarisch ernährtes Kind B12-Tabletten?
Meist nicht. Bei ovo-lacto-vegetarischer Ernährung wird B12 in der Regel über Milchprodukte und Eier gedeckt. Bei veganer Ernährung ist ein Präparat dagegen unverzichtbar.
Woher bekommt ein vegetarisches Kind Eisen?
Aus Hülsenfrüchten, Vollkorn, Hirse, Haferflocken und gemahlenen Kernen, am besten kombiniert mit Vitamin C. Die Eisenversorgung sollte bei den Vorsorgeuntersuchungen im Blick bleiben.
Was ersetzt Fisch bei Omega-3?
Rapsöl, Leinöl und gemahlene Leinsamen liefern pflanzliches Omega-3. Für die langkettigen Fettsäuren nennt die DGKJ Mikroalgenöle als Option – sprecht das mit eurer Kinderärztin ab.
Quellen
- aponet.de (17.7.2026) – DGKJ-Stellungnahme: vegetarisch oder vegan, worauf Eltern achten solltenwww.aponet.de
- Universität Bonn – VeChi-Youth-Studie: vegan, vegetarisch, Mischkostwww.uni-bonn.de
- Sozialministerium – Österreichische Ernährungsempfehlungen NEU (Stand 15.1.2026)www.sozialministerium.gv.at
- Richtig essen von Anfang an! – Mit diesen Lebensmitteln wird Ihr Kind gut versorgtwww.richtigessenvonanfangan.at
Dieser Beitrag ist allgemeine Information und ersetzt keine individuelle Beratung durch Kinderärztin, Kinderarzt oder Diätologin. Er gibt den Wissensstand zum angegebenen Datum wieder.